SIEGFRIED J. BAUER

Physik/Meteorologie

Geboren am 13. September 1930 in Klagenfurt, Matura am Stiftsgymnasium der Benediktiner in St. Paul im Lavanttal. Er studierte an der Universität Graz Physik, Geophysik und Meteorologie. Dissertation auf dem Gebiet der Ionosphärenforschung bei Otto Burkard.
Kurz nach der Promotion 1953 kam er über das militärische „Projekt Paperclip“ in die USA in ein Armeeforschungszentrum in New Jersey. Hauptarbeitsgebiete: Wetterradar, ionosphärische Effekte von Atombomben-Explosionen und Wirbelstürmen und Mondradar.
Von 1961 bis 1981 am Forschungszentrum der NASA, dem Goddard Space Flight Center in Maryland – zuletzt als Vizedirektor für Weltraumwissenschaften.
Von 1981 bis 1998 fungierte er nach seiner Rückkehr nach Graz als Ordinarius für Meteorologie und Geophysik der Karl-Franzens-Universität und als Abteilungsleiter des Instituts für Weltraumforschung der ÖAW.
 
Publikationen (Auswahl)
Mitherausgeber von acht Büchern sowie Autor der klassischen Monographie „Physics of Planetary Ionospheres“, 1973 (auch Russisch und Japanisch) und mit H. Lammer „Planetary Aeronomy“, 2004.
Die Planetenatmosphären, Bd. 7 (Erde und Planeten), Bergmann/Schaefer, 1997 und 2001.
Die Abhängigkeit der Nachrichtenübertragung, Ortung und Navigation von der Ionosphäre, 2002
Solar System: Planets, Atmospheres and Life, 2003
Zwischen Venus und Mars, 2005
 
Bauer ist ein international renommierter Vertreter der Aeronomie, einer seit etwa 50 Jahren bestehenden geophysikalischen Forschungsdisziplin, die sich im Gegensatz zur Meteorologie mit der Physik und Chemie der Hochatmosphäre befasst.
Innerhalb seiner Forschung im militärischen Bereich der USA gelang ihm im Jahre 1958 auch via Mondradar die erste Funkverbindung zwischen Amerika und Europa herzustellen. Nach der Erforschung der Erdionosphäre mit Raketen und Satelliten in den Sechziger Jahren war er in den letzten Jahrzehnten bei amerikanischen Missionen zu Venus und Mars sowie der europäischen Huygens-Sonde, die 2005 am Saturnmond Titan landete, in der Erforschung ihrer Atmosphären maßgeblich beteiligt. Sein breites Wissen und seine Erfahrungen, besonders auf dem modernen Forschungsgebiet der planetaren Aeronomie, an Studenten und junge Forscher weitergegeben zu haben, gehört zu den besonderen Verdiensten des Forschers.