REBECCA HORN

Bildhauerin / Filmemacherin / Aktionskünstlerin

Geboren am 24. März 1944 in Michelstadt/Odenwald. Ab 1964 studierte sie in Hamburg an der Hochschule für Bildende Künste und ab 1970 als Stipendiatin des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ein Jahr am St. Martins College of Art and Design in London. 1972 war Rebecca Horn die jüngste Teilnehmerin der documenta 5 in Kassel, auf der sie danach noch dreimal vertreten war. In den 1970er Jahren lehrte sie als Gastdozentin am California Art Institute in Los Angeles und an der University of California in San Diego. Bis 1981 lebte und arbeitete sie überwiegend in New York. 1989 übernahm Horn eine Professur an der Berliner Hochschule der Künste.

Rebecca Horn genoss bereits in den 1970er Jahren international ein hohes künstlerisches Ansehen. Ihr Werk umfasste sowohl Skulpturen, Installationen und Performances als auch literarische Texte, Drehbücher und die Regie eigener Filme. Schon bald entwickelte Horn ihr unverwechselbares Profil, das sie aus der Reihe der Performance- oder Körperkünstler heraushob. Im Zentrum ihrer ritualisierten Aktionen, durch die sie bekannt wurde, stand stets der mit Objekten oder Instrumenten verbundene Mensch.

Nachdrücklich prägten sich dem Publikum Horns kinetische Objekte ein: magische Kunstmaschinen und Konstruktionen, die sie u.a. aus Stoffen, Spiegeln, Federn, Schuhen, Stäben, Pinseln, Messern, Eiern und Quecksilber gestaltete. Später begann sie, mit organischen Materialien wie Baumwolle, Bandagen und Federn zu experimentieren.

Über in dokumentarischer Absicht gedrehte Videos zu ihren Performances kam Horn zum Medium Film. Parallel zu „Der Eintänzer“ (1978), „La Ferdinanda: Sonate für eine Medici-Villa“ (1981) und „Buster's Bedroom“ (1990) – Horns erstem Kinofilm – liefen jeweils Ausstellungen, in denen aus den Filmen transformierte Objekte als Skulpturen gezeigt wurden. Für „Buster's Bedroom“, einer Mischung aus Verwechslungskomödie, Sozialstudie und Thriller, verarbeitete Horn Einzelheiten aus dem Leben des Stummfilmstars und Regisseurs Buster Keaton, zu dem sie eine intensive geistige Verwandtschaft verspürte, und verpflichtete als Schauspieler u.a. Donald Sutherland und Geraldine Chaplin.

1993 zeigte das New Yorker Guggenheim-Museum eine Retrospektive auf Horns Werk, die später als Wanderausstellung durch ganz Europa ging. Zu sehen war u.a. die Installation „El rio de la luna“ (1993; dt. „Mondfluss“): sieben durch Bleiröhren verbundene Kästen, durch die Quecksilber pulsierte. Das ambivalente Prinzip des umgeleiteten Fließens durchzog ihr Schaffen. Mit ihren hybriden Apparaten erreichte Horn Weltruhm, ihre Werke wurden in den wichtigsten Museen der Welt gezeigt. Eigens für die Berliner Retrospektive installierte Horn das Objekt „Berlin Earthbound“ (1994), das einen alten, sich öffnenden Koffer mit eingenähtem Davidstern zeigte, wobei der Koffer sich langsam „wie ein müder Schmetterling“ an einer Stange nach oben bewegte, um dann abzurutschen und nie sein Ziel zu erreichen.

Viel Beachtung fand 1997 Horns Ausstellung „The glance of infinity“ zur Eröffnung der Kestner-Gesellschaft in Hannover. Zu den spektakulärsten Objekten gehörten der „Schildkrötenseufzerbaum“ (1994), aus dessen Trichtern Stimmen in vielen Sprachen klagende Geschichten flüsterten, sowie der „Turm der Namenlosen“ (1997), ein an die Flüchtlinge des Balkankrieges erinnernder Turm aus Obstleitern mit mechanisch spielenden Geigen.

Eros und Tod, Gewalt und Trauer ziehen sich als Leitmotive durch Horns Werk. 1998 konzipierte sie für eine Synagoge bei Köln „Spiegel der Nacht“, eine Arbeit zum Thema Erinnerung. In Weimar entstand 1999 die zweiteilige Installation „Konzert für Buchenwald“.

In Düsseldorf zeigte 2004 die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K20 unter dem Titel „Bodylandscapes“ (dt. Körperlandschaften) außer plastischen Objekten und Installationen der Künstlerin erstmals auch 85 großformatige Zeichnungen aus den Jahren 1964 bis 2004. Waren die Zeichnungen anfangs noch mehr Körperstudien bzw. Konstruktionspläne für die Skulpturen, so betrachtete Horn sie ab 1988 als autonome Werke. Nach Stationen in Lissabon, Paris und London wurde die Düsseldorfer Ausstellung – um 40 Prozent erweitert und von Horn selbst inszeniert – zwei Jahre später unter dem Titel „Mondspiegel. Ortsbezogene Installationen 1982–2005“ im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt. Dort hatte Horn für den Lichthof die Installation „Das Universum der Perle“ mit Trichtern, einem Kegel und Spiegeln geschaffen.

Anlässlich der Verleihung des Alexej-von-Jawlensky-Preises, den sie als erste Deutsche erhielt, wurden ab März 2007 im Museum Wiesbaden in einer Ausstellung mit dem Titel „Jupiter im Oktogon“ Installationen, Zeichnungen und Filme von Horn gezeigt.