CARL PRUSCHA

Architekt [Vorsitzender 2004-2014]

Geboren am 10. Juni 1936 in Innsbruck. Jugend im Wildschönauertal. Nach eigenem Bekunden hatte auf ihn in Innsbruck während der Gymnasialzeit das „American Information Center“ mehr Einfluss als das Gymnasium. Studium der Architektur an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Lois Welzenbacher und Roland Rainer von 1955 bis 1960. Anschließend Studium in Harvard bis 1964. Zehn Jahre als UNO- und UNESCO-Berater für Raumplanung in NEPAL. Ab 1978 Professor für Planungsgrundlagen und Gebäudeforschung an der Akademie der Bildenden Künste. 1988 bis 2001 Rektor der Akademie der Bildenden Künste am Schillerplatz. Bis zur Emeritierung 2004 Professor für Entwurf und Habitat, Environment & Conservation. Dieses Studio führt er seitdem weiter.

Bauten (Auswahl)
1970-1974 Zentrum für Entwicklungsplanung, Kathmandutal, Nepal
1971 Taragaon visitor’s hostel in Boudha, Nepal
seit den späten 1970er Jahren Sanierung des Alten Schlosses von Gattendorf, Burgenland
1983-1985 Siedlung Biberhaufenweg, Wien
1988-1991 Siedlung Traviatagasse, Wien
1988-1995 Umgestaltung des Piaristenkonvents zum Kunsthaus Horn, Niederösterreich
1990-2005 Revitalisierung des Semper-Depots zu einem Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien
2002 Prototypen für Lagoon-Bungalow und Schule in Sri Lanka
2004 MQ-West, Museumsquartier, Wien

Publikationen (Auswahl)
The Physical Development Plan for the Kathmandu Valley (für die NEPAlesische Regierung), 1967
The Preservation of the Physical Environment and the Cultural Heritage, a Protective Inventory as a Basis for the UNESCO Declaration of the Kathmandu Valley World Heritage Site, 1974
Himalayan Vernacular, 2004

Carl Pruscha ist ein forschender Architekt. Seine wenigen Bauten jenseits des Wohnbaus zeigen einen Baumeister, der Gestalt und Material eines Bauwerks aus den genau recherchierten Bedingungen und Entwicklungen eines Standorts interpretiert. Seinen Studenten brachte er auf vielen Demonstrationsreisen die „anonyme Architektur“ nahe.
Seine zweite große Leistung ist die eines Anregers und Reformers. Dies zeigt die Bilanz seiner Rektorentätigkeit an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und die Tatsache, dass Pruscha bei Kunst- und Architektur-Wettbewerben ein sehr gefragtes Jurymitglied ist.
Pruschas architekturtheoretisches Anliegen ist ein „architektonisches Vokabular, welches die technologischen und sozialen Errungenschaften der Gegenwart zum Einsatz bringt, ohne die traditionelle Identität gänzlich zu verlieren.“ Die „neokolonialistischen Architekturabenteuer“ hätten diese Identität massiv gefährdet, die „Invasion [...] der multinationalen [...] Ökonomie [...] hat den einzelnen Kulturen keine Gelegenheit gelassen, sich nach eigenem Schrittmaß zu entwickeln.“ Daraus folgen Theorie und Praxis eines „kritischen Regionalismus“.

www.cpruscha.com